Myopie Management statt Myopie Korrektur

Die Myopie wird traditionell mit konventionellen Brillen und Kontaktlinsen korrigiert. Hierdurch wird das Bild in der zentralen Netzhaut scharf abgebildet und so eine klare Fernsicht ermöglicht. Durch diese Art der Korrektur kommt es zu der Situation, dass das Bild im peripheren Bereich hinter der Netzhaut anstatt auf der Netzhaut abgebildet wird - diese Situation wird als peripherer hyperoper Defokus bezeichnet.

Emmetropes Auge

Parallel einfallende Lichtstrahlen werden exakt auf der Netzhaut gebündelt

Myopes Auge

Durch Zunahme der axialen Augenbaulänge schreitet die Myopie voran, wodurch die Fernsicht immer schlechter wird.

Es wird angenommen, das der periphere hyperope Defokus das Wachstum des Auges fördert. Die Folge daraus ist eine Zunahme der axialen Augenbaulänge und das Fortschreiten des Brechungsfehlers. Die Unterkorrektur der Myopie, welche den peripheren hyperopen Defokus reduziert, wurde als Möglichkeit zur Verringerung des Fortschreitens der Myopie gesehen. Studien belegen, das eine Unterkorrektion keine positive Wirkung auf das Fortschreiten der Fehlsichtigkeit hat.1 2 Um mehr über die Unterkorrektion zu erfahren, klicken Sie bitte hier.

 

Myopie Management Optionen

Das Myopie Management kann sich auf die Korrektur der Fehlsichtigkeit und zusätzlich auf das Erzeugen eines peripheren myopischen Defokus beziehen.

Dual Focus Kontaktlinsen

Die MiSight® 1 day Einmalkontaktlinse mit ActivControl® Technologie, wurde speziell für das Myopie Management bei Kindern entwickelt. MiSight® 1 day ist die weltweit erste weiche Einmalkontaktlinse, die eine CE-Zulassung für das Myopie Management besitzt und nachweislich das Fortschreiten der Myopie bei Kindern um im Durchschnitt 60% über einen Zeitraum von 3 Jahren reduziert.

Orthokeratologie

Orthokeratologie-Kontaktlinsen werden über Nacht getragen. Eine Ortho-K Kontaktlinse ist so gestaltet, das sie die Hornhaut während des Tragens leicht abflacht. Nach Absetzen der Kontaktlinsen, kann das Kind tagsüber scharf sehen und ist für diesen Zeitraum nicht auf das Tragen einer Brille oder Kontaktlinsen angewiesen. Es wird angenommen, dass durch die Abflachung der Hornhaut ein peripherer myopischer Defokus erzeugt wird und dadurch das axiale Längenwachstum des Auges gehemmt und das Fortschreiten der Myopie verlangsamt wird.

Multifokale Kontaktlinsen

Einige weiche multifokale Kontaktlinsen haben in klinischen Studien eine Reduzierung des Fortschreitens der Myopie zwischen 25% und 72% erreicht.3 Es wird angenommen, das durch die Addition der Kontaktlinsen ein periphere myopischer Defokus hervor gerufen wird und dieser dazu beiträgt, das Fortschreiten der Myopie zu hemmen. Fernzentrierte multifokale Kontaktlinsen sind als Monatskontaktlinsen erhältlich und derzeit nicht für das Myopie Management zugelassen.

Brillen

Gleitsichtgläser, bifokale Brillengläser und speziell für das Myopie Management konzipierte Brillengläser können eine Reduzierung des Fortschreitens der Myopie von bis zu 30% erzielen. In diesem Bereich entwicklen sich fortlaufend neue Technologien.

Vergleich der Myopie Management Optionen: Vorteile und Nachteile

  • Dual Focus Kontaktlinsen (MiSight® 1 day)

    Vorteile

    • CE-Zulassung für das Myopie Management in Europa und anderen Ländern
    • FDA zugelassen zur Reduzierung des Fortschreitens der Myopie bei Kindern
    • Kinder haben gezeigt, dass sie gut mit Kontaktlinsen umgehen können
    • Keine zusätzlichen Investitionen für spezielle Geräteausstattungen erforderlich

    Nachteile

    • Leichtes Ghosting als anfängliche Nebenerscheinung möglich
    • Laufende Kosten
    • Risiko einer Infektion durch das Tragen von Kontaktlinsen

    Reduzierung des Fortschreitens der Myopie (sphärisch Äquivalent)3

    59%

  • Weiche multifokale Kontaktlinsen

    Vorteile

    • Kinder haben gezeigt, dass sie gut mit Kontaktlinsen umgehen können
    • Keine zusätzlichen Investitionen für spezielle Geräteausstattungen erforderlich
    • Große Stärkenverfügbarkeit
    • Verschiedene Additionen verfügbar

    Nachteile

    • Leichtes Ghosting als anfängliche Nebenerscheinung möglich
    • Laufende Kosten
    • Risiko einer Infektion durch das Tragen von Kontaktlinsen
    • Derzeit keine Zulassung für das Myopie Management

    Reduzierung des Fortschreitens der Myopie (sphärisch Äquivalent)3

    25%-72%

  • Orthokeratologie

    Vorteile

    • Kein Tragen von Korrekturen zur Korrektion der Fehlsichtigkeit während des Tages notwendig
    • Eltern behalten Kontrolle

    Nachteile

    • Leichtes Ghosting als anfängliche Nebenerscheinung möglich
    • Laufende Kosten
    • Risiko einer Infektion durch das Tragen von Kontaktlinsen
    • Zusätzliche Geräteausstattung und Schulung zur Anpassung notwendig
    • Nur wirksam in einem schmalen Stärkenbereich

    Reduzierung des Fortschreitens der Myopie (sphärisch Äquivalent)3

    30%-56%

  • Bifokale- & Gleitsichtbrillen

    Vorteile

    • Einfach und gewohnt
    • Ein hoher Stärkenbereich kann abgedeckt werden

    Nachteile

    • Vollzeittragen für maximalen Erfolg notwendig. Einschränkungen durch die Brille im Alltag des Kindes möglich. Das Kind kann sich mit der Brille unwohl fühlen.

    Reduzierung des Fortschreitens der Myopie (sphärisch Äquivalent)3

    11%-51%

*Indications for Use: MiSight®️ (omafilcon A) daily wear single use Soft Contact Lenses are indicated for the correction of myopic ametropia and for slowing the progression of myopia in children with non-diseased eyes, who at the initiation of treatment are 8-12 years of age and have a refraction of -0.75  to -4.00 diopters (spherical equivalent) with ≤ 0.75 diopters of astigmatism. The lens is to be discarded after each removal

  1. Chung, K. & Mohidin, N. Undercorrection of myopia enhances rather than inhibit myopia progression. Vision Res. 42, 2555–2559 (2002)

  2. Adler, D. & Millodot, M. The possible effect of undercorrection on myopic progression in children. Clin. Exp. Optom. 89, 315–321 (2006)

  3. Sankaridurg P. Contact lenses to slow progression of myopia. Clinical and Experimental Optometry 2017 100(5) 432-437